08.01.2017

Jugend profitiert von Hüttendorf-Einnahmen

Oberhof - Neun Stunden lang stehen sie bei Nebel, Schneetreiben und Minusgraden in ihren geschmückten Hütten, verkaufen Glühwein oder die typische Original Thüringer Rostbratwurst. Die ehrenamtlichen Helfer des Oberhofer Hüttendorfs bieten den Zuschauern des BMW IBU Weltcups Biathlon auch 2017 alles für das leibliche Wohl, aber auch beliebte Fanartikel. „Heute haben wir bei Sonnenschein kein normales, stabiles Grenzadler-Wetter“, sagt Susan Kolb, Ski- und Wanderverein Goldlauter-Heidersbach, und zwinkert.

In diesem Jahr feiert das Veranstaltungsgelände oberhalb der DKB SKI ARENA einen Rekord: Erstmals wurden 29 Hütten aufgebaut. „So viele Hütten gab es noch nie“, bestätigt Pia Trübenbach, die „Bürgermeisterin des Hüttendorfs“. Hier kämen verschiedene Menschen zusammen und hätten gemeinsam Spaß. „Jede Hütte hat ihre Stammgäste. Auch die ehrenamtlichen Helfer tauschen sich aus, schätzen und würdigen die Arbeit des jeweils anderen“, so Trübenbach. Daneben wird aber auch die Chance genutzt, Werbung für den eigenen Verein zu machen. Ein logistisches Meisterwerk: „Zu Spitzenzeiten arbeiten in 29 Hütten plus Besucherzelt rund 200 Menschen, darunter elf regionale Biathlon- und Langlauf-Vereine“, sagt sie. Bereits im vergangen September begann die Planung. „Vor Silvester standen die Hütten. Der Abbau kann eine Woche in Anspruch nehmen“, so Trübenbach.

Manche Hüttenbetreiber sind zum ersten Mal dabei, viele bereits seit über zehn Jahren. „Weil es einfach Spaß macht“, ist der Tenor der ehrenamtlichen Helfer. „Es ist das besondere Flair hier in Oberhof, die Stimmung der Zuschauer und auch die eigene Truppe“, erklärt Eva Becker, Mitglied im WSC Ober-Unterschönau. „Es ist auch der Enthusiasmus im Verein, die Zusammengehörigkeit in allen Altersklassen. Für uns springen da nur zwei oder drei Bratwürste heraus“, sagt Lutz-Udo Eschrich vom Sportclub Motor Zella-Mehlis und lacht. Seit 1954 kommt er nach Oberhof. Ein Urgestein des Oberhofer Hüttendorfs ist auch Fritz Motz, Mitglied des Skivereins Eintracht Frankenhain: „Oberhof ist für mich ein absoluter Höhepunkt, da sage ich nie Nein.“ Gegen eine Spende können die Fans am Stand des Heimatvereins von Erik Lesser ein besonderes Andenken mitnehmen: Stolz schmückt der lokale Verein seine Hütte mit den begehrten Autogrammen des Weltmeisters Erik Lesser und Luise Kummer, der Thüringer Nachwuchshoffnung.

Hinter dem Engagement steckt ein guter Zweck. „Man macht das ja auch für die Kinder. Da muss man sich schon mal die Zeit nehmen.“, sagt Christiane Kirchner vom SC Steinheid. Die Einnahmen des Hüttendorfs fließen ausnahmslos in die Nachwuchsförderung. Von dem eingenommenen Geld wird Material - Skier, Wachs, Munition - gekauft. Der Verein unterstützt außerdem die Einkleidung seiner Nachwuchsathleten, finanziert Trainingslager und Wettkampfkosten.

Aufgrund der Verlegung des Weltcups im vergangenen Jahr blieb das Hüttendorf 2016 geschlossen - und die Einnahmen der Vereine rutschten in die roten Zahlen. Neben dem finanziellen Verlust fehlte den Ehrenamtlichen aber auch das Biathlon-Feeling am Grenzadler. „Das war schon traurig. Aber ganz ohne Biathlon ging es dann doch nicht.“, erinnern sich die Ehrenamtlichen des Ski- und Wandervereins Goldlauter-Heidersbach. „Die Truppe hat sich zum Public-Viewing getroffen.“, erzählt Annette Meischter.

08.01.2017 20:03 in Kategorie: Biathlon