Wissenswertes

Rund um den Biathlonsport

  • Entwicklungsstufen im Wettkampfbereich Biathlonsport

    Entwicklungsstufen im Wettkampfbereich Biathlonsport

    1948: Bei den 5. Olympischen Winterspielen in St. Moritz gab es erstmals die Disziplinen Skilanglauf und Schießen in einem Kombinationswettkampf. Allerdings bestand der Wettkampf damals darüber hinaus noch aus Abfahrtslauf, Fechten und Reiten.
    1949: Das Internationale Olympische Komitee (lOC) beschloss, die Disziplinen Langlauf und Schießen als eigene Sportart entsprechend einem schwedischen Modell einzuführen. So entstand der Biathlonsport, wie man ihn heute kennt.
    1958: Die erste Biathlon-Weltmeisterschaft wurde  im österreichischen Saalfelden, ganz in der Nähe des heutigen Weltcup-Ortes Hochfilzen, ausgetragen.
    1960: Biathlon war zum ersten Mal offizielle Olympische Disziplin in Squaw Valley. Damals wurde allerdings noch mit Großkalibergewehren ohne spezielle Zieloptik geschossen. Als Trainingsziele dienten zu jener Zeit zum Teil sogar noch Luftballons, die in quadratische Kartonagen gesteckt wurden.
    1972: In diesem Jahr hielten die Kleinkalibergewehre wie sie heute verwendet werden, ihren Einzug in den Biathlonsport. Dies führte nicht nur zu einem größeren Teilnehmerfeld bei den Athleten, sondern auch zu einem größeren Publikum: die Zuschauer konnten von nun an näher an das Geschehen heranrücken.
    1976: Der erste Biathlon-Weltcup wurde ins Leben gerufen. Damit begann auch die Einrichtung von Sportförderkadern in Deutschland (NVA der DDR, Bundeswehr, Bundesgrenzschutz) und damit die Möglichkeit für die Athleten, diese Sportart professionell auszuführen.
    1983/84: In Chamonix (Frankreich) gab es erstmalig Weltmeisterschaften im Biathlon der Frauen.
    1984: Oberhof ist erstmalig Austragungsort eines "Biathlon-Weltcups".
    1992: Frauen starten erstmals in der Sportart Biathlon bei den Olympischen Spielen, die  im französischen Albertville ausgetragen werden.
    1993: Die Internationale Biathlon-Union (IBU) wird am 2. Juli in London (Großbritannien) gegründet. Am 2. Dezember eröffnet das IBU-Büro in Salzburg (Österreich).
    2002: Der Verfolgungswettkampf wird in Salt Lake City (USA) erstmals als Olympischer Wettkampf ausgetragen.
    2006: Der Massenstart-Wettkampf hat seine Premiere im Programm der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin (Italien).
    2004: Oberhof ist Austragungsort der Biathlon Weltmeisterschaften.
    2007: Bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Antholz (Italien) wird erstmals eine Mixed-Staffel ausgetragen.
    2014: Bei den Olympischen Spielen in Sotschi (Russland) ist die Mixed-Staffel erstmals Olympische Disziplin.

  • Regeln rund um das Schießen

    Regeln rund um das Schießen

    Der Schießstand
    Der Schießstand beim Biathlon besteht aus 30 Schießbahnen. Die Entfernung von der Schießmatte bis hin zum Ziel beträgt 50 Meter. Beim Stehendschießen hat die Zielscheibe einen Durchmesser von 11,5 Zentimeter. Beim Liegendschießen beträgt der Durchmesser gerade einmal 4,5 Zentimeter.

    Das Gewehr
    Beim Biathlon wird heutzutage nur noch mit Kleinkalibergewehren geschossen, die ein Mindestgewicht von 3,5 Kilogramm haben. Um alle Sicherheitsvorkehrungen zu realisieren, werden die Sportler vor ihrem Start darauf kontrolliert, dass die Waffen noch nicht geladen sind. Die Magazine dürfen erst am Schießstand in das Gewehr gesteckt werden. Darüber hinaus wird das sogenannte Abzugsgewicht geprüft. Darunter versteht man den Druck, der aufgebracht werden muss, um mit dem Finger den Schuss auszulösen. Das Abzugsgewicht darf nicht unter 500 Gramm liegen. Nach dem Rennen im Ziel wieder angekommen, darf das Gewehr ebenfalls nicht mehr geladen sein. Verstößt ein Sportler gegen eine dieser Vorschriften oder verpasst er seine Kontrollen, so wird er sofort disqualifiziert.

    Hinter den Kulissen
    Ein Biathlon-Wettkampf beginnt nicht erst mit dem Startschuss. Welch immenser Aufwand hinter den Vorbereitungen für jeden Sportler je Wettkampf steckt, erkennt man erst, wenn man mal einen Blick hinter die Kulissen wagt.

    Das Anschießen
    Möglichst zeitnah vor jedem Wettkampf haben die Athleten maximal 45 Minuten Zeit, ihr Gewehr „anzuschießen“. Dabei stellt der Sportler sein Gewehr auf die äußeren Bedingungen zum aktuellen Zeitpunkt ein. Hier sind neben der Stärke und Richtung des Windes, auch Schneefall oder Sonneneinstrahlung entscheidend, da Letztere eine optische Veränderung bewirken.
    Das Einschießen erfolgt auf Papierscheiben. Der Trainer kontrolliert die Schüsse per Fernglas und teilt dem Sportler mit, ob es Abweichungen, wie „Links tief“, „Rechts hoch“ und so weiter, gibt. Bei Abweichungen verändert der Biathlet die Einstellung am Diopter und justiert so sein Gewehr optimal für den Wettkampf.
    Doch auch wenn das Anschießen möglichst zeitnah zum Wettkampf stattfindet, kann es zu Veränderungen der äußeren Bedingungen kommen. Ganz besonders natürlich, wenn der Sportler erst mit einer höheren Startnummer startet oder als Staffelläufer auf einer der hinteren Positionen läuft. Der Biathlet muss sich also genau die Bedingungen merken, die beim Anschießen gegeben waren und beim Eintreffen am Schießstand während des Rennens abwägen, wie sich die Bedingungen verändert haben.
    Was den Wind betrifft, so helfen ihm dabei die kleinen roten Fähnchen am Schießstand. Entscheidet er sich zur Nachjustierung des Diopters, so steht er vor der Herausforderung, in welche Richtung und wie viele „Raster“ gedreht werden muss. So ist das Schießen eben nicht nur eine Sache der ruhigen Hand bei einem Puls von 180, sondern auch eine Sache des Nachdenkens und Beobachtens. Und der Nerven.
     

  • Der richtige Ski

    Der richtige Ski

    Das Material des Skis hat im Biathlon einen sehr hohen Stellenwert. Selbst ein Weltklasseläufer hat bei Tageshochform mit dem falschen Ski keine Chance auf eine gute Platzierung. Die Rechnung ist ganz einfach: Der Ski kann vom Lauftempo her bis 7 Prozent ausmachen. Bei einer Nettolaufzeit von zirka 50 Minuten im Einzelwettkampf sind das immerhin 3,5 Minuten! Aus diesem Grund beginnt die Vorbereitung und Auswahl des optimalen Skis bereits mindestens zwei Tage vor dem Wettkampf. Aus einer großen Auswahl an Skiern wählt der Sportler vier bis fünf Favoriten aus. Die Skier unterscheiden sich im Schliff und in der Spannungsstärke. Der Schliff ist verantwortlich dafür, wie gut das Wasser unter dem Ski heraus fließt. Bei nasser Schneesubstanz wird eher ein grober Schliff gewählt, der mehr Wasser verdrängen kann. Bei Kälte und festem Schnee kann ein feinerer Schliff verwendet werden. Ähnlich verhält es sich bei der Spannung: Ist der Schnee weich, so wird eine geringere Spannung des Skis gewählt. Die flexiblere Spitze des Skis kann leichter über tiefen Schnee hinweg gleiten. Ist der Schnee sehr hart, so wird entsprechend ein harter Ski gewählt.

    Am Wettkampftag selbst wird die Entscheidung über das Wachs getroffen. Daher trifft man bereits viele Stunden vor Wettkampfbeginn Sportler und Skitechniker auf dem sogenannten Skitest-Areal an. Hier entscheidet neben der aktuellen Schnee- und Temperatursituation auch das Gleitgefühl des Sportlers. Sowohl bei der Auswahl des Skis als auch des Wachses gibt es eine Vielfalt an Sorten und Abstufungen. Die Beratung durch die erfahrenen Skitechniker ist daher von unmessbarem Wert.

    Doch auch bei der Vorbereitung des Skis gilt, ebenso wie beim Anschießen: Wenn sich die Bedingungen plötzlich verändern, weil es zum Beispiel anfängt zu schneien, dann kann aus dem optimalen Ski einer werden „der nicht läuft“. So kann es sogar passieren, dass die Techniker noch reagieren und zum Beispiel den Ski des Staffelschlussläufers wechseln müssen.

  • Während des Rennens – ein paar Grundlagen

    Während des Rennens – ein paar Grundlagen

    Biathlon ist eine Sportart, bei der schon Zehntelsekunden zwischen Podest- oder Nicht-Podestplatz entscheiden können. Umso wichtiger ist es, dass der Sportler während des Rennens ständig Informationen erhält: Zum Beispiel welche Zeitabstände zu den Konkurrenten bestehen oder ob er im Laufe der Runde „Zeit verloren“ oder „Zeit gutgemacht“ hat. Eine weitere wichtige Information ist das Trefferbild am Schießstand. Wenn er mitgeteilt bekommt, ob seine Schüsse eine Tendenz nach rechts, links unten oder oben hatten, kann er vor dem nächsten Schießen präziser eine Entscheidung über die mögliche Justierung seines Diopters treffen. Allerdings ist es dem Trainer am Schießstand, sowie 10 Meter davor und dahinter, verboten, direkten Kontakt mit dem Sportler aufzunehmen. Diese Aufgabe übernehmen dann auf der Strecke Mitglieder des Teams und Techniker, die alle per Sprechfunkgerät in Verbindung stehen.

    Abbruch eines Wettkampfes
    Biathlon ist als Outdoor-Sportart den Widrigkeiten des Wetters ausgesetzt. Die Athleten müssen sich den Schnee- und Windverhältnissen, der Temperatur usw. anpassen. Doch auch hier gibt es Grenzen. Sobald die Temperaturen bei -20°C und kälter liegen, muss der Wettkampf abgebrochen werden. Außerdem auch bei extremen Wetterverhältnissen wie extrem starkem Wind oder Nebel. Die Entscheidungen darüber trifft die Jury.

  • Die Oberhofer Strecken

    Die Oberhofer Strecken

    Die Strecken in Oberhof zählen zu den schwierigsten im Weltcup. Sie sind in einzelne Streckenabschnitte unterteilt, die passend zur Wettkampflänge kombiniert werden. Übrigens haben diese unterschiedliche Bezeichnungen: zum Beispiel Wolfsschlucht, Birxsteig, Tambacher Straße, Frankfurter Kreuz, Brunnenweg, FIS-Schneise, Kulle-Kurve und Sägespane-Runde. Seit einigen Jahren gibt es in Oberhof auch die Henkel-Schleife, benannt nach Andrea Henkel.

    Ein markanter Abschnitt war über viele Jahre die Wolfsschlucht, die nach dem früheren Biathlet Karl-Heinz Wolf benannt ist,  der federführend bei Konzeption und Bau war. Die Wolfsschlucht stellte den schnellsten Streckenabschnitt im gesamten Weltcup dar. Hier wurden Geschwindigkeiten von teilweise über 80 Kilometern pro Stunde erreicht. Der Abschnitt wurde zunächst etwas entschärft, indem man die Kompression am unteren Ende der Schlucht mit etwas Erde auffüllte. Seit einigen Jahren gehört die Wolfsschlucht aber nicht mehr zum Streckennetz, dass bei den Biathlon-Wettkämpfen genutzt wird. Die Aktiven verlassen das Stadion nach dem Schießstand jetzt auf einer anderen Abfahrt.

    Doch wo es bergab geht, muss es auch wieder bergauf gehen. Gleich an die Abfahrt aus dem Stadion schließt sich der Birxsteig an. Er ist mit 500 Metern der längste Anstieg der gesamten Strecke und weist mit 65 m Höhenunterschied auch die größten Steigungen auf. Der Birxsteig ist beim Weltcup von Zuschauern gesäumt, die die Athleten quasi hinauf brüllen. Der Namensgeber für diesen Streckenabschnitt ist der ehemalige Streckenchef Roland Schmidt, der den Spitznamen „Birx“ trägt.