Bodo Ramelow: „Große Welle in Oberhof in Gang gekommen“

Bodo Ramelow: „Große Welle in Oberhof in Gang gekommen“

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Oberhof - Nachhaltigkeit, Ganzjahrestourismus und eine neue Winterwelt: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat am Rande des BMW IBU Biathlon Weltcups in Oberhof bei einer Pressekonferenz einen Ausblick auf die Doppel-WM 2023 und einen Einblick in seine touristischen Visionen gegeben. Zum Weltcup zog er zunächst ein durchweg positives Fazit: „Es passt alles. Die Arena hat heute ihr schönstes Gesicht gezeigt. Und die Sportler zeigen, dass hier Spannung pur gelebt wird“, resümierte Thüringens Regierungschef. Man könne inzwischen sehen, dass man Thüringens Wintersportzentrum mit Investitionen völlig neu platzieren wolle. „Wir wollen Oberhof in der Dimension um mehrere Stufen nach oben bringen, damit es unter den Weltentscheidungsdestinationen wieder ganz vorne mit dabei ist“, so Ramelow.

Insgesamt rechnet der Ministerpräsident mit rund 80 Millionen Euro aus Bundes-, Landes- und europäischen Geldmitteln, die im Zusammenhang mit den Weltmeisterschaften im Biathlon und Rodeln nach Oberhof fließen würden. „Mit beiden Weltmeisterschaften gehen Modernisierungsmaßnahmen einher und jetzt werden auch die notwendigen Nachinvestitionen im privaten Sektor ausgelöst.“. Damit nahm Ramelow Bezug auf die 50-Millionen Euro-Investition eines österreichischen Investors, der derzeit in Oberhof ein 4-Sterne-Familienhotel errichtet und auf die umfassenden Modernisierungsmaßnahmen der Ahorn-Gruppe im bekannten Panoramahotel. „Man sieht, dass eine größere Welle in Gang gekommen ist.“ Nach den Worten Ramelows investiert der Freistaat 60 Millionen Euro in die Sportanlagen, hinzu kämen Begleitinvestitionen in die Vermarktung und Betreuung der WM, sowie Investitionen in die Infrastruktur und Nachhaltigkeit in Zusammenhang mit dem Energiekonzept. „Unsere Zielstellung ist es, die CO2-Neutralität zu wahren. Wir wollen eine Wärme-Kältekopplung ermöglichen – auch mit anderen Nutzern in Oberhof“, so Ramelow.

CO2-Neutralität
„Oberhof hat sich gewandelt – vom Davos der DDR, das an den Plattenbauten gemessen wurde, in denen nicht mehr genug Gäste waren, zu einem modernen Sportleistungs- und einem Ganzjahrestourismuszentrum für den Thüringer Wald.“ Nachhaltigkeitskonzepte spielen dabei eine große Rolle. „Wir arbeiten auch an Mobilitätskonzepten. Nicht die Frage von immer mehr Individualverkehr ist die Lösung der Dinge, sondern eine Form von öffentlichem Personennahverkehr, bei der man von der kleinsten Kleinigkeit bis zum größeren Intervall die Dinge aufeinander abstimmt“, so Thüringens Regierungschef.

Damit die Abläufe stimmen, habe der Freistaat mit Dr. Hartmut Schubert einen eigenen Staatssekretär mit der Koordination der Projekte in Oberhof betraut, zudem liefen regelmäßige Abstimmungen zwischen den Ministerien. „Wir werden fertig sein und wir werden 2023 ein guter Gastgeber sein. Und es wird eine wunderbare Zeit. Ich bin überzeugt: Man wird noch sehr lange über die beiden Weltmeisterschaften im positiven Sinne reden“, ist Ramelow überzeugt.

Zudem äußerte der Ministerpräsident erstmals seine Vision einer modernen Wintersportausstellung in Oberhof als weiteres ganzjahrestouristisches Highlight – einer „Winterwelt“ als Besuchermagnet. „Es braucht einen neuen Ansatz, damit Menschen, die hierherkommen, ein Gefühl dafür bekommen, wo Skifahren herkommt, wie alt es eigentlich ist und was für Erfolge es auf dem Weg gegeben hat. Das neue Zentrum solle interaktiv ausgerichtet sein. „Ich rede von sanftem, nachhaltigem und ganzjährigem Tourismus. Und eine Winterwelt würde hier oben wunderbar reinpassen“, so die Vision Ramelows.

Für das Bekenntnis und die finanziellen Anstrengungen bedankte sich der Präsident des Deutschen Skiverbandes, Dr. Franz Steinle: „Wir sind der Region und insbesondere dem Land Thüringen dankbar für die Investitionen, die hier getätigt werden. Oberhof ist einer unserer wichtigsten Standorte im nordischen Bereich und im Biathlon-Bereich insbesondere“, unterstrich Steinle. Zu der Erwartungshaltung des Verbands sagte er: „Eine Weltmeisterschaft hat immer eine Fingerzeigfunktion.“ Man wolle eine nachhaltige Wirkung erzielen. „Ein Großereignis muss immer zwei Sportlergenerationen nachwirken – was die
Sportstätten und die Nachwuchsentwicklung angeht. Natürlich sind Weltmeisterschaften immer das Schaufenster des Sports, sie geben aber auch immer Anreiz für junge Athleten, den Sport auszuüben“, so der DSV-Präsident. Auch der Verband arbeite mit einem Umweltbeirat seit mehr als 25 Jahren und einer neu gegründeten Technologie GmbH am Thema Nachhaltigkeit. „Unsere Aufgabe ist es, uns an die klimatischen Verhältnisse anzupassen und das Bestmögliche daraus zu machen, um die Dinge möglichst umweltverträglich zu gestalten.“ Schmalkalden-Meiningens Landrätin Peggy Greiser bedankte sich im Rahmen
der Pressekonferenz beim Freistaat ebenfalls für die Zuschüsse. „Wir haben mit diesen beiden Weltmeisterschaften noch mal zusätzliche Impulse erhalten. Wir sind dankbar dafür, dass das Land das mit uns trägt und erkannt hat, dass wir mit unserem Hotspot Oberhof was für unseren Landkreis, für die gesamte Region und über unser Bundesland hinaus tun können“, sagte sie. In puncto Nachhaltigkeit habe man in den vergangenen Jahren den Individualverkehr reduzieren können und arbeite bereits mit Mehrwegsystemen in der Versorgung auf dem gesamten Weltcup-Gelände. „Wir werden alle Maßnahmen, die wir hier
mit dem Land oder dem Bund auf die Beine stellen, unter der Frage beleuchten, wie nachhaltig sie sind.“

Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz räumte ein, dass die Weltcup-Vorbereitung diesmal sehr schwierig gewesen sei. „Hier hat wirklich jeder an seiner Leistungsgrenze alles gegeben, was zu geben ist. Und das werden wir auch noch mal in der kommenden Nacht tun, damit die Zuschauer mit guten Eindrücken aus dem Freistaat Thüringen nach Hause fahren und sagen: Das war eine gute Veranstaltung – wir kommen wieder.“ Auch die Sportler und Trainer sollten Oberhof in angenehmer Erinnerung behalten. „Der gesamte Freistaat Thüringen kann stolz sein, was hier gerade auch durch Ehrenamtliche gewachsen ist“, so Schulz.

Christopher Eichler
Medienteam

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