DJ Charly heizt den Fans ein

DJ Charly heizt den Fans ein

Uwe Prütz alias DJ Charly sorgt beim Biathlon-Weltcup in Oberhof für gute Stimmung. Der Mann aus Merkers ist seit über 15 Jahren dabei, findet aber immer einen neuen Hit.

Ob das Eisbären-Lied der Puhdys oder der immer noch lebende Holzmichl, ob „Tausend Träume weit“ oder der über den Freistaat hinaus bekannte Ohrwurm über den Rennsteig: Uwe Prütz kennt alle Biathlon-Hits. Als DJ Charly sorgt er beim Weltcup in Oberhof für gute Stimmung – und das seit mittlerweile über 15 Jahren. 

2002, noch im alten Stadion, hat alles begonnen. „Das kam gut an und dann wurde ich auch für die Weltmeisterschaft 2004 angefragt“, erinnert er sich. Der damalige WM-Hit, „Lebt denn der alte Holzmichl noch“ der sächsischen Gruppe „De Randfichten“, sei zufällig entstanden. „Ich habe es damals gehasst. Aber Kirmesleute aus Ettenhausen, bei denen ich zuvor gespielt habe, haben es sich gewünscht. Ich habe es gespielt, als nur wenige Zuschauer im Stadion waren. Und plötzlich wollten alle dieses Lied hören“, erinnert er sich. Heute zählt es zu den Klassikern beim Weltcup. „Einige Lieder sind Pflicht“, weiß der 55-Jährige. Die Kunst sei es jedoch, Jahr für Jahr etwas Neues zu finden, „eine gute Mischung aus traditionellen Schlager und Partymusik“. Für dieses Jahr hat er „Winni Winni Wanna Wanna“ im Gepäck, ein eigentlich uralten Lied, für das er neuen Erfolg wittert. Bei der offiziellen Eröffnung des Biathlon-Weltcups am Mittwochabend wurde es erstmals gespielt. 

Auch einen Weltcup-Hit 2019 scheint Uwe Prütz schon im Kopf zu haben, lässt sich aber nicht in die Karten schauen. „Ich verrate nichts“, sagt er und schmunzelt. In seiner Reporterkabine, von der er den besten Blick in die Arena hat, könne er die Fans und ihre Reaktionen ganz genau beobachten. „Wenn sie mitmachen, ist es gut. Wenn nicht, dann schmeißen wir das Lied raus. Aber viel Zeit für Experimente haben wir nicht“, sagt der DJ,  der Firmenevents und Kirmesfeiern begleitet, aber auch beim Saisonauftakt in Mallorca dabei ist. Freilich ist das Oberhofer Publikum ganz anders als das in einer Disco, erst recht anders als das Publikum am Ballermann. „Die Fans sind anspruchsvoller. Er darf nicht zu sehr unter die Gürtellinie gehen“, sagt er. 

Uwe Prütz weiß, wovon er spricht. Im Teenager-Alter war er für die Schuldisco und die Musik im Jugendclub verantwortlich, machte einen Lehrgang zum staatlich geprüften Schallplattenunterhalter. Seit 1982 steht er ganz offiziell hinter dem Plattentellern. „Zu DDR-Zeiten mussten wir noch vor einer Jury auftreten und wurden in fünf verschiedene Stufen eingeordnet: Grundstufe, Mittelstufe, Oberstufe, Sonderstufe und Profi“, erinnert sich der Merkerser. In nur wenigen Jahren hat er sich hochgearbeitet, „und dann kam die Wende. Dann waren wir automatisch Profis“. 1990 machte sich Uwe Prütz, der Schlosser gelernt und unter Tage gearbeitet hat, selbstständig. Sein Künstlername stand zu diesem Zeitpunkt schon lange fest. „In der zweiten Klasse gab es einen Elternabend mit einer Aufführung. Ich habe Charly Chaplin gemacht, und seitdem habe ich den Namen weg“, sagt der 55-Jährige, der neben seiner Musik als Kurier und Hausmeister für eine lokale Bank tätig ist. 

 

Als DJ bei Sportveranstaltungen, insbesondere bei Biathlon-Weltcups, ist er ein gefragter Mann. In Oberhof ist er Teil des Teams, das für die Information und Unterhaltung vor, während und nach den insgesamt sechs Rennen sorgt. „Wir sind ein eingespieltes Team und verstehen uns blind“, sagt er über seine Kollegen, mit denen er seit Jahren zusammenarbeitet. Die Voraussetzung für den Erfolg sei das Interesse an der Sportart, die Ausdauer in der Loipe und Präzision am Schießstand verbindet. „Und dann muss man versuchen, eine Brücke vom Sport zum Publikum zu schlagen“, sagt Uwe Prütz, der vor allem den deutschen Athleten die Daumen drücke. „Ich war immer deprimiert, wenn sie nicht aufs Treppchen gekommen sind. Aber ich habe gelernt, auch den anderen Nationen Respekt zu zollen“, sagt er. 

Dass er seinen Job versteht, hat sich mittlerweile sogar international herumgesprochen. 2013 war er zum ersten Mal in Nove Mesto dabei, wieder bei einer Weltmeisterschaft, und fast hätte es sogar mit den Olympischen Spielen im russischen Sotschi 2014 geklappt. In Oberhof will er mindestens bis zum nächsten Höhepunkt im Jahr 2023 weitermachen. „Dann wäre ich der erste DJ, der zwei Weltmeisterschaften gestemmt hat“, sagt er.