Ein DJ ohne Publikum

Ein DJ ohne Publikum

Seit 2001 heizt Uwe Prütz alias DJ Charly den Fans beim Biathlon-Weltcup in Oberhof ein. Er ist auch in diesem Jahr dabei – obwohl das Stadion fast menschenleer ist.

Viel Schnee, kaum Schnee und ein Ausfall der Rennen am Grenzadler:
Uwe Prütz hat beim Biathlon-Weltcup in Oberhof schon so gut wie alles erlebt. Ein Stadion ohne Fans aber nicht. „Das ist eine ganz neue Situation“, sagt der Weltcup-DJ mit Blick auf die leeren Ränge, die sich links und rechts seiner Kabine ausbreiten. Wo sonst tausende Zuschauer die Treffer der Athleten bejubeln und Fehler mit einem Stöhnen quittieren, tummelt sich zurzeit nur eins: Der gefallene Schnee der vergangenen Tage.
Keine Musik zu machen, das Stadion leise zu lassen, war für die Macher des Rahmenprogramms trotzdem keine Option. „Als sich abzeichnete, dass in diesem Jahr keine Fans zugelassen werden, saß ich mit dem Veranstalter zusammen. Uns war sofort klar, dass wir unser Programm trotzdem durchziehen wollen. Für die Fans an den Bildschirmen zu Hause. Und für die Sportler. Wir wollen ihnen ein Stück der Atmosphäre bieten, die sie von Oberhof kennen“, sagt der 57- Jährige. Die Stimmung am Grenzadler ist legendär – und Vorreiter für viele Weltcup-Orte.
Das bisherige Feedback der Sportler gebe der Entscheidung recht. Die Mannschaften stellen ihm ab und an Musikwünsche durch. Denise Herrmann bekommt „Sieben Sünden“ auf die Ohren, Erik Lesser bringt sich mit „Eye of the Tiger“, die Titelmusik von Rocky III, in Wettkampflaune. Normalerweise bekommt DJ Charly diese Resonanz von den Fans, die der Stimmung wegen schon Stunden vor dem Rennen im Stadion ausharren. Wenn er dann „We will rock you“ auflegt, klatschen sie in die Hände. Wenn er das Rennsteiglied spielt, singen sie lautstark mit. „Das fehlt total“, betont er. Um trotzdem die gewohnte Leistung abzuliefern, müssten sich er und Stadionsprecher Marco Rühl gegenseitig motivieren, gegenseitig pushen. Gemeinsam arbeiten sie in einer Kabine oberhalb der Arena. In Nicht- Corona-Zeiten sind sie umringt von Containern, in denen Radio- und Fernsehjournalisten aus aller Welt sitzen, um die Rennen zu kommentieren. In diesem Jahr geschieht das meist aus den jeweiligen Sendezentren, DJ Charly und Marco Rühl sind fast allein auf der Metalltribüne. Das gab es noch nie hier in den 19 Jahren, in denen der Mann aus Merkers (Wartburgkreis) nun schon im Weltcup-Zirkus dabei ist. Bei den Sprintrennen am kommenden Mittwoch und Donnerstag wird Uwe Prütz noch einmal vor Ort sein, bevor er an Kollegen Patrice Rabich übergibt. Er selbst arbeitet dann nur einige wenige Meter entfernt, beim Rodel-Weltcup in Oberhof. „Das stand schon fest, bevor ich wusste, dass in diesem Jahr zwei Biathlon-Weltcups ausgerichtet werden“, erklärt er. Nachdem ihm in den vergangenen Monaten so gut wie alle Engagements weggebrochen sind, ist DJ Charly froh, wieder hinter den Plattentellern stehen zu können. „Ich musste mich durch Corona neu erfinden. Dass ich hier wieder als DJ arbeiten kann, ist ein Highlight für mich“, betont er. Und es hat auch einen tieferen Sinn. Im Februar 2023 wird die Biathlon-WM in Oberhof stattfinden. „Dafür müssen wir trainieren“, sagt Uwe Prütz, „auch in diesem Jahr.“

Susann Eberlein, Presseteam