„Ein Erlebnis“

„Ein Erlebnis“

Oberhof - Der Kölner Kletterer Jan Hojer (27) war zu Besuch beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Im Interview spricht er über seine Eindrücke am Grenzadler, die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio und Medaillenträume. 

Herr Hojer, Oberhof ist eine Premiere für Sie. Sie sind zum ersten Mal live bei einem Biathlon-Weltcup dabei. Wie ist Ihr Eindruck?
Ich bin zwar zum ersten Mal live dabei, verfolge Biathlon aber schon länger. Als ich noch ein Kind war, haben meine Großeltern und meine Eltern es geguckt. Die bekannten Namen waren mir also ein Begriff. Es ist schön, die Möglichkeit zu haben, Sven Fischer und andere Sportler persönlich zu treffen. Wir standen beim Damen-Sprint auf der Tribüne und es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie gut die Stimmung ist, obwohl das Wetter schlecht war. Gerade wenn deutsche Athleten zum Schießstand oder ins Ziel kamen, war es ein Erlebnis. 

Was fasziniert Sie am Biathlon besonders?
Durch den Wechsel aus Schießen und Laufleistungen wird die Spannung jederzeit aufrecht gehalten. Es kann bis zum letzten Schießen noch etwas passieren, im Gegensatz zu vielen reinen Ausdauersportarten wie Langlauf oder Marathon. Da finden selten so viele Wechsel statt wie im Biathlon. 

Erkennen Sie Parallelen zu Ihrem Sport?
Bei Olympia ist Klettern mit dem Dreikampf dabei. So wie beim Biathlon, wo Schießen und Langlauf in einem Wettkampf kombiniert werden, müssen auch wir verschiedene Disziplinen vereinen. Beim Speed-Klettern liegen die Belastungszeiten bei sechs Sekunden, beim Lead-Klettern bei bis zu sechs Minuten. Und bei beiden Sportarten ist sehr wichtig, ein schlechtes Schießen oder eben eine schlechte Disziplin abhaken zu können, um im weiteren Verlauf des Wettkampfs seine Leistungen bringen zu können. 

Mit dem Biathlon-Weltcup findet eines der angesagtesten deutschen Wintersport-Events in Thüringen statt. Waren Sie schon einmal zum Klettern im Freistaat?
Nein, noch nie. Ich wohne in Köln, aber als Kletterer zieht es mich dann doch immer eher in Richtung Alpen. 

Klettern ist zum ersten Mal olympisch. Wie laufen Ihre Vorbereitungen auf Tokio 2020?
Ich habe die Qualifikation Ende November erreicht und danach eine kurze Pause eingelegt. Seit Weihnachten bin ich wieder ins Training eingestiegen und freue mich, acht Monate Zeit zu haben, um mich auf einen Wettkampf vorbereiten zu können. 

Ist eine Medaille Ihr Ziel?
Mit Sicherheit. Beim Dreikampf werden die Einzelergebnisse miteinander multipliziert, was einen Sieg in einer Einzeldisziplin sehr wertvoll macht. Bei der WM 2017 konnte ich das Speed-Event im Finale gewinnen und bin am Ende Dritter geworden. Beim Bouldern, was eigentlich meine stärkste Disziplin ist, schwanken die Ergebnisse unter den besten Athleten immer ein bisschen. Es ist schwer vorzusagen, ob man Erster, Dritter oder Fünfter wird. Das beeinflusst das Ergebnis stark. Aber wenn alles gut läuft, kann ich auf jeden Fall um eine Medaille mitklettern. 

In Oberhof wimmelt es nur so von Olympiasiegern und Olympiastartern. Konnten Sie sich über das Großevents austauschen, vielleicht sogar Tipps holen?
Tipps direkt holt man sich nicht. Aber im normalen Austausch erfährt man immer wieder interessante Sachen, wovon jeder Athlet profitieren kann, ganz unabhängig von der Sportart. 
Mir hat es jedenfalls schon immer Spaß gemacht, andere Sportarten zu verfolgen. 

Interview: 
Susann Eberlein
Medienteam