Ein Mann, ein Bart, ein (Kloß-)Song

Ein Mann, ein Bart, ein (Kloß-)Song

Thüringer Klöße gelten allgemeinhin nicht unbedingt als Sportlernahrung – zu schwer, zu kalorienreich, wenn auch ziemlich lecker. Es kann aber durchaus sein, dass die Weltdopingagentur die Thüringer Kartoffelspezialität demnächst auf die Dopingliste setzen wird – zumindest in Liedform.

Oberhof - Thüringer Klöße gelten allgemeinhin nicht unbedingt als Sportlernahrung – zu schwer, zu kalorienreich, wenn auch ziemlich lecker. Es kann aber durchaus sein, dass die Weltdopingagentur die Thüringer Kartoffelspezialität demnächst auf die Dopingliste setzen wird – zumindest in Liedform. Nach dem furiosen Staffelauftritt von Michael Rösch, der Belgien als Startläufer in Führung brachte, könnte dies zumindest zu Diskussion stehen.

Rückblende: Im ARD-Sportschau-Stream bei Facebook hatte Rösch mit Moderator Uri Zahavi tags zuvor eine besonders haarige Wette fürs Staffelrennen vereinbart. Nein, das zottelige Lieblingsstück war als Einsatz nicht ernsthaft im Gespräch, dieses persönliche Unheil hatte der „Ebs“ sofort abgebogen. „Auf alle Fälle nicht mit meinem Bart – das kannst Du selber machen.“ Dass dem 34-Jährigen sein Gesichtshaar, das längst aus dem Stoppel-Stadium herausgewachsen war, hoch und heilig ist, machte er im Online-Talk mehr als deutlich. Er berichtete von einem beinah schon traumatischen Erlebnis, als er vor zwei Jahren beim Stutzen des flauschigen Dickichts abgerutscht war und die Wahl zwischen einem Kahlschlag und einem lückenhaften Sturmschneisen-Looks hatte. „Dann musste ich das ganze Ding abmachen und sah aus, wie zwölf“, erinnert sich der Wahl-Belgier. Seitdem ist bei Rösch wieder alles auf Wachstum ausgerichtet. „Ich find‘ mein Bart ganz schön. Mir macht das Spaß“, sagt der rasierfaule Biathlet. „Meine Freundin kennt mich gar nicht ohne Bart.“

Bartpflegeprodukte unter dem Baum
Dass zu Weihnachten im Hause Rösch Bartpflegeprodukte unter dem Baum lagen, passt da ganz ins flauschige Bild. Zurück zum Wetteinsatz: Während des haarigen Dialogs zwischen Rösch und Zahavi brachte eine Facebook-Userin eine andere Idee ins Spiel: Der Verlierer der Wette muss ein Lied live im Stadion singen. Aber welches? Ein Vorschlag einer weiteren Userin: Das Rennsteiglied. Aber Michael Rösch dachte da an einen etwas gehaltvolleren Song – im kulinarischen Sinne. „Gib‘ mal bei Youtube Thüringer Klöße ein – das ist das geilste Lied“, schlug er Zahavi vor. Und so wurde die Wette besiegelt. Wenn Michael Rösch die belgische Staffel nicht als Führender übergibt, wollte er den einstigen Youtube-Hit „Thüringer Klöße“ nach dem Wettkampf im Stadion zum Besten geben. Kommt der Kultläufer als Erster zum Wechsel, sollte die Ehre Uri Zahavi zuteilkommen – so der Deal vor dem Rennen. Aber Zahavi, der das Risiko in der DKB SKI AREANA zum Kloß-Fritz werden zu müssen, offenbar als gering einschätzte, machte seine Rechnung ohne die leistungssteigernde Kloß-Wirkung. Rösch schoss wie zu Olympia-Sieger-Zeiten und überholte auf den letzten Metern sogar noch den Russen Alexey Volkov. Euphorisiert vom triumphalen Staffelauftritt versprach Rösch im Interview mit Stadionsprecher Adi Rückewold: „Wenn Belgien Dritter wird, dann renn‘ ich hier nackig durchs Stadion.“ Das Stadion tobte. Diese Ankündigung wirkte aber nicht auf alle belgischen Läufer leistungsfördernd und so konnte der Sachse seinen schwarzen Trainingsanzug anbehalten, was sich vor Olympia zumindest gesundheitsfördernd auswirken dürfte.

Kloß-Nachschlag
Am Ende sangen Michael Rösch und Uri Zahavi gemeinsam das Lied Thüringer Klöße mit Stadionsprecher Adi Rückewold – was sich wiederum lautstärkefördernd aufs Publikum auswirkte. Und so gab es auch für das Oberhofer Publikum einen Kloß-Nachschlag in Form einer Zugabe. Apropos  Oberhof: Im zitierten Onlineinterview mit dem späteren Kloßsänger Uri Zahavi sprach sich Rösch für eine Biathlon-WM 2023 in Oberhof aus. „Da bin ich voll dafür“, sagte der Gefeirte, was sich wiederum imagefördernd für den WM-Bewerber auswirkt. „Auch das Wetter kann wirklich schön sein und die Strecke ist immer top präpariert.“ Selbst wenn hier nur Steine lägen, würden die Oberhofer noch etwas daraus zaubern. „Klar muss Oberhof investieren, aber es wurden ja auch 15 Millionen Euro genehmigt.“ Jeder der hier dabei ist, sieht, dass Oberhof hat eine WM verdient hat“, so Rösch, der auch vor dem Werbeplakat mit der Aufschrift „Wir möchten dein Gastgeber sein“ fürs Foto posierte.

Das große Interview im Sportschau-Stream und der Kloßlied-Auftritt im Stadion finden Sie als Clips hier: https://www.facebook.com/weltcupoberhof.de/

https://www.facebook.com/sportschau/

Christopher Eichler, Medienteam