Ein Oberhofer bringt Team Österreich den Erfolg

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Das Massenstartrennen der Frauen steht noch aus, doch ÖSV-Trainer Gerald Hönig dürfte schon jetzt zufrieden sein mit der Ausbeute in Oberhof. Lisa Theresa Hauser lief gleich drei Mal auf das Podest – zum ersten Mal in ihrer Karriere.

An Oberhof hatte Lisa Theresa Hauser bisher weniger gute Erinnerungen. Vor zwei Jahren stürzte sie in der Staffel und musste auf ein Ersatz-Gewehr zurückgreifen, mit dem sie jedoch keinen einzigen Schuss abgeben konnte, weil der Schlagbolzen brach. Im Massenstart 2017 reicht sie der DSV-Athletin Vanessa Hinz einen ihrer Stöcke, nachdem sie im Gerangel versehentlich auf den von Hinz getreten war. Wenig später stürzte Hauser in der Abfahrt und musste ihr Rennen beenden. Beim diesjährigen Weltcup kamen keine Schreckensmomente hinzu. Ganz im Gegenteil: Zum ersten Mal in ihrer Karriere kletterte die Österreicherin auf das Podest. Im Sprint und der Verfolgung gelangen ihr zwei dritte Plätze. „Sich am Schießstand so gegen die Weltspitze zu behaupten, das hat uns sehr gefreut. Der zweite Podestplatz war ein Sahnehäubchen", sagte ihr Trainer, Gerald Hönig, nach dem ersten Wochenende. Welche Worte er wohl fand, als der 27-Jährige am Donnerstag erneut auf Platz drei landete? Und ob er im heutigen Massenstart, dem Abschluss des Weltcups, erneut mit einer Top-Platzierung rechnet? Lisa Theresa Hauser hatte ihr Weltcup-Debüt im Jahr 2012. Sie setzte sich in der erweiterten Weltspitze fest und konnte in der Single-Mixed-Staffel schon zwei Weltcup-Erfolge feiern, doch in Einzelrennen blieb ihr der Sprung auf das Podest bisher verwehrt. In Oberhof ist es der Frau aus Kitzbühl gleich drei Mal hintereinander gelungen. „Ich habe zwei neue Trainer und dadurch neuen Input. Das scheint gut zu funktionieren“, begründete sie.

Neue Herausforderung
Einer der neuen ist Gerald Hönig, der Oberhofer, der knapp vier Jahrzehnte im Biathlon-Zirkus zu Hause ist. Er arbeitete als Nachwuchstrainer in der Rennsteigstadt, bevor er 2007 Co-Trainer des A-Kaders und nach dem Rücktritt von Uwe Müßiggang 2014 Bundestrainer der Frauen wurde. Es waren erfolgreiche Jahre: Bei Weltmeisterschaften gewann das Team sieben Gold-, fünf Silber- sowie drei Bronzemedaillen, bei Olympischen Winterspielen zwei Gold- und eine Bronzemedaille. Im Weltcup gewannen die Damen in dieser Zeit 25 Einzel-, zehn Staffel- und zwei Mixed-Staffel-Rennen.

Nach den Olympischen Spielen in Pyeonchang wurde Gerald Hönigs Bundestrainer-Vertrag nicht verlängert. Er wurde zum Schießtrainer aller Lehrgangsgruppen ernannt, aber so richtig glücklich war er mit der Aufgabe nicht. „Ich war nicht so gefragt, wie ich es mir gewünscht hätte. Es hat sich eher wie eine Auszeit angefühlt“, sagt er. Eine neue Herausforderung fand er im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Seit Mai 2020 trainiert er die Biathlon-Frauen in der Alpenrepublik. „Ich freue mich, dass ich noch einmal die Chance bekommen habe, Athletinnen vor Ort zu begleiten“, sagt er. Mit seiner Verpflichtung haben auch Lisa Theresa Hauser und die gesamte Mannschaft die Chance bekommen, als Athletinnen zu reifen. Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, galt es, Laufrückstände aufzuholen. „Wir haben große Defizite festgestellt, mit denen man aus eigener Kraft nicht vorne angreifen kann, sondern auf die Fehler der anderen hoffen muss“, sagt Gerald Hönig, der auf dem Papier als Schießtrainer fungiert, aber auch in das Training abseits des Schießstandes eingebunden ist und dafür eng mit Cheftrainer Markus Fischer zusammenarbeitet.

Erste Früchte
Dass die Arbeit in der im Vergleich zu Deutschland oder Skandinavien eher kleinen Biathlon-Nation erste Früchte trägt, hat der Weltcup in Oberhof bewiesen. „Es ist ein Nachweis, dass unsere Arbeit Hand und Fuß hat und so schlecht nicht sein kann. Das tut schon gut“, sagt der Thüringer, der als konsequenter Trainer bekannt ist und auch ein wenig Qual verlangt auf dem Weg zum Erfolg. Erfolge will Gerald Hönig in Zukunft nicht nur mit Lisa Theresa Hauser, sondern mit dem gesamten Team einfahren. „Katharina Innerhofer bringt Laufleistungen in den Top 15, da liegt es am Schießen. Wenn der Knoten aufgeht, erwartet ich sie im Spitzenfeld“, sagt er. Mit Dunja Zdouc und Julia Schwaiger könnte eine schlagkräftige Truppe formiert werden, die auch in der Staffel angreifen könnte. Am gestrigen Samstag reichte es für das Quartett nur zum neunten Rang. Sie kamen über drei Minuten später ins Ziel als die Sieger Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß (Deutschland). Mindestens bis zu den Olympischen Winterspielen 2022 gehört die gesamte Aufmerksamkeit Hönigs den ÖSV-Damen. Ob er 2023 bei der Weltmeisterschaft in Oberhof, seiner Heimat, noch am Fernglas stehen wird, lässt er offen. Doch: Es würde sich ein Kreis schließen. Für Italien engagiert, erlebte er 2004 hier seine erste WM als Trainer.

Susann Eberlein, Presseteam

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