Es geht doch nicht ohne Biathlon

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Über Umwege fand der Ex-Biathlet Daniel Böhm zurück in den Sport. Als Sport- und Eventmanager des Biathlon-Weltverbands setzt er das IBU-Hygienekonzept an den Weltcup- und IBU-Standorten um.

enn Daniel Böhm anruft, könnte die Biathlon-Welt zittern. „Borut Nunar ist den einen Tag ganz hektisch dran gegangen und hat gesagt: Wenn du anrufst, kann es nichts gutes sein“, sagt er. Der Renndirektor der IBU ist kerngesund, unter Umständen muss Daniel Böhm aber tatsächlich schlechte Nachrichten verbreiten. Der 34-Jährige, der bis 2016 zum deutschen Biathlon-Team unter Mark Kirchner gehörte, ist der Sport- und Eventmanager der Internationalen Biathlon Union (IBU). Seit fast genau einem Jahr ist Daniel Böhm zurück im Biathlon-Zirkus. Beim Weltcup 2020 in Oberhof hatte er seinen ersten Einsatz in neuer Funktion. Mit der Corona-Pandemie, an deren Ausmaß zu Vertragsbeginn kaum zu denken war, kamen ganz neue Aufgaben auf ihn zu. „90 Prozent meiner Arbeit dreht sich um Corona“, sagt er. Es mussten Hygienekonzepte erstellt werden, die an den Standorten greifen. „Auf dem Papier ist es schnell herunter geschrieben, aber vor Ort müssen wir die Strukturen des Organisationskomitees, die Örtlichkeiten und die Entscheidungen der Nation, des Bundeslandes oder des Landkreises einbeziehen. Das war eine steile Lernkurve“, erklärt der Wahl-Berchtesgadener. 

In den Weltcup-Orten ist Daniel Böhm dafür zuständig, dass das Konzept umgesetzt und eingehalten wird. Er plant die Corona-Tests der Teams und der IBU-Verantwortlichen, ist im ständigen Austausch mit dem Organisationskomitee, dem Labor und den Gesundheitsämtern. Und mit den Teams, die die Regeln betreffen. Seine Gedanken müssen sich dabei schon oft um die nächste Weltcup-Station drehen, oder wie in dieser Woche um den IBU-Cup am Arber.

Medaillensammler
Ja, der Job verlangt einiges ab. „Ich habe ein paar Umwege genommen, aber ich fühle mich endlich angekommen und sehe mich langfristig in dem Bereich“, sagt Daniel Böhm, der mit der Vertragsunterzeichnung den Weg zurück in den Sport fand, den er so liebt. Der Harzer trainierte jahrelang am Stützpunkt in Oberhof, und sammelte 14 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften, Junioren- und Europameisterschaften. Die größten Erfolge: In der Staffel gewann er 2014 Olympisches Silber und ein Jahr später den Weltmeistertitel. Es hätten noch gut ein paar Jahre mit dem Gewehr auf den Rücken und den Langlauflatten an den Füßen sein können. Doch Daniel Böhm entschied sich für die Karriere nach der Karriere und trat im Dezember 2016 vom aktiven Leistungssport zurück. „Ich wollte eine Ausbildung zum Hubschrauberpiloten machen, die mit maximal 30 Jahren gestartet werden konnte. Es hieß also, jetzt oder nie. Ich bereue den Schritt aber auch nicht“, sagt er heute. Nach vierzehn Monaten Ausbildung kam der Berufsalltag, den sich Daniel Böhm „ein wenig anders vorgestellt hätte.“ Er suchte sich wieder eine neue Herausforderung. Eineinhalb Jahre lang arbeitete er im Vertrieb einer Kaffeerösterei, die als Sponsor verschiedener Athleten auftritt und hielt dem Sport als ehrenamtlicher Athletenvertreter der IBU die Treue. In der Zusammenarbeit wurde schnell klar, dass der Weltverband künftig gerne fest auf seine Unterstützung zählen würde. „Und ich habe gemerkt, dass mir der Sport doch mehr am Herzen liegt als gedacht. Der Job war der absolute Glücksgriff“, sagt er.

Perspektivwechsel
Heute nimmt der Sport- und Eventmanager freilich eine andere Perspektive ein als in seiner aktiven Zeit. „Als Athlet hat man Scheuklappen auf und versteht manche Entscheidungen nicht. Zum Beispiel, warum das Rennen nicht verschoben wird, wenn es sehr nebelig ist. Welch Rattenschwanz da dran hängt, allein durch die TV-Übertragung, sieht man nicht“, sagt Daniel Böhm. Diese Erfahrungen helfen ihm jetzt: „Ich kenne die Belange der Sportler und Trainer und werde akzeptiert.“

Ein gern gesehener Gast ist er in seinem alten Team, wenngleich die Corona-Auflagen den lockeren Kontakt in diesem Jahr deutlich erschweren. Mit Benedikt Doll und Erik Lesser ist er im regelmäßigen Austausch, zu Arnd Peiffer pflegt er eine Freundschaft. Fünf Jahre lang haben sich die beiden Männer aus dem Harz eine WG in Oberhof geteilt und zusammen am Stützpunkt trainiert. Das schweißt zusammen, „auch weit über den Sport hinaus.“

Eine der liebsten sportlichen Erinnerungen der beiden: Die Silbermedaille mit der Staffel bei den Olympischen Spielen in Sotchi. Seitdem der Russe Jewgeni Ustjugow rückwirkend wegen Dopings gesperrt und im Herbst vom internationalen Sportgerichtshof schuldig gesprochen wurde, könnte es nachträglich sogar noch Gold werden, sofern das International Olympische Komitee dafür entscheidet. „Für mich würde sich nichts ändern, denn der Moment ist weg. Aber die Silbermedaille war auch ein toller Erfolg, den wir gebührend gefeiert haben“, sagt der 34-Jährige. Und so wartet der, der in dieser Saison so oft am Telefon hängen muss, nicht auf einen Anruf des IOC.

Susann Eberlein, Presseteam

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