Hassliebe Birxsteig

Hassliebe Birxsteig

Die Weltcup-Strecken in Oberhof gelten als anspruchsvoll. Durch die Umbauarbeiten verlangt der sowieso berühmt-berüchtigte Birxsteig jetzt noch mehr ab.

Biathlet Erik Lesser schüttelt leicht den Kopf. „Ich möchte nicht über den Birxsteig sprechen“, wiegelte der Lokalmatador Mitte der Woche noch ab, wohlwissend, die Neugier der Journalisten damit erst recht zu wecken. Und so spricht der 32-Jährige dann doch: „Der Anstieg war vorher schon lang und steil, jetzt ist er noch länger und steiler.“

Oberhof ist bekannt für seine anspruchsvollen Strecken, die die beste Technik auf den dünnen Langlaufski verlangen und jede Menge Konzentration auch abseits des Schießstandes. Der Birxsteig, der den Spitznamen des früheren Streckenchefs Roland Schmidt trägt und die Lungen der Athleten zum Brennen bringt, ist einer der Schlüsselpunkte im Rennen. Hier können Rennen gewonnen, aber eben auch verloren werden.

Bis zu den Umbauarbeiten, die für die Ausrichtung der WM 2023 notwendig sind, führte der längste Anstieg der Strecke direkt nach der Ausfahrt aus dem Stadion von 808 Metern auf 839 Meter. Weil eine unterirdische Röhre verbaut worden ist, durch die später Zuschauer geführt werden sollen, sind nun ein paar Meter in der Länge und der Höhe dazu gekommen. „Man kommt unten mit weniger Schwung rein und muss sich Fixpunkte setzen, damit man nicht fest geht“, beschreibt Franziska Preuß, auf Rang 7 die derzeit bestplatzierte Deutsche im Weltcup.

„Wer in Form ist, wird ihn lieben. Wer nicht in Form ist, wird ihn hassen“, sagt Erik Lesser. Seine Prognose: Der Birxsteig, der Punch im Oberkörper und Kraft in den Beinen verlangt, wird das Starterfeld noch deutlicher selektieren. Wer hier zu viel Zeit liegen lässt, könne sie insbesondere auf der kurzen 1,5-Kilometer-Runde der Single-Mixed-Staffel, die am Sonntag Premiere feiern wird, kaum aufholen.

Bundestrainer Mark Kirchner blickt dem Szenario gelassen(er) entgegen. „Wer vorne sein will, muss mit allem zurechtkommen. Über einen Abschnitt oder eine Kurve zu lamentieren, bringt nichts. Solche Nebensächlichkeiten verschwenden Kraft“, sagt er. Bei den vorherigen Weltcups wurden seine Trainerkollegen an der Strecke oft von den Zuschauern übertönt, konnten nur mit Schreibtafeln auf sich aufmerksam machen. Das ist in diesem Jahr anders. Weil die Fans fehlen, können sie den Athleten die Infos über Zwischenstände und Schießleistungen zurufen – wenn sie nicht im schweren Atem untergehen.

Susann Eberlein, Presseteam