In neuer Rolle zurück

In neuer Rolle zurück

Als Biathlet kennt Alexander Wolf den Weltcup-Zirkus in Oberhof genau, die Rolle des Cheftrainers ist noch neu. Seit Mai 2020 coacht der Herges-Hallenberger die Schweizer Männermannschaft. 

Alexander Wolf hat eine Schonfrist bekommen. „Die Jungs haben gesagt, dass ich nach einem Jahr alles verstehen muss. Aber sie geben sich Mühe, dass ich sie verstehe. Und andersherum“, sagt er und lacht. Seit Mai 2020 ist der 42-jährige Herges-Hallenberger der Cheftrainer der Schweizer Biathlon-Männer – und damit zum ersten Mal in neuer Rolle am Fernglas zurück in Oberhof. 

Das Verständnis beschränkt sich freilich nicht auf den schweren Schweizer Dialekt. Wolf und sein Co-Trainer Daniel Hackhofer aus Österreich mussten die Athleten kennenlernen, und die Athleten ihre Philosophie – mitten in der ersten Welle der Corona-Pandemie, in der Grenzen dicht gemacht wurden, das Training am Stützpunkt in Andermatt und in Lenzerheide nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich war und doch oft digital laufen musste. Ein Ziel war trotzdem schnell gefunden: Gemeinsam erfolgreich zu sein. 

Nach Rückschlägen in der vergangenen Saison hat sich Benjamin Weger nun wieder in der erweiterten Weltspitze festgebissen. Im Sprint in Kontiolahti schrammte der 31-Jährige auf Platz vier knapp am Podium vorbei, beim gestrigen Sprint in Oberhof kam er mit einem fehlerfreien Schießen auf den neunten Rang. Daran sollen auch die jungen Athleten anknüpfen. Wolfs Ziel: eine starke Staffel bilden. 

Zurück im Weltcup

Eine neue Chance, sich zu beweisen, bekommen sie in diesen Tagen am Grenzadler. Und mit Alexander Wolf haben sie einen echten Experten an ihrer Seite. Auf den Strecken ist er zum Weltklasse-Athlet gereift, hier ist er im Weltcup und bei der Weltmeisterschaft 2004 gelaufen. Er kennt also die Tücken des Oberhofer Schießstandes und den kräftezehrenden Birxsteig. „Da braucht man eine gute Taktik. Wenn man schon in der ersten Runde explodiert, kann das Rennen schnell gelaufen sein“, weiß er. Seine Athleten profitieren von diesen Erfahrungen, garniert mit dem theoretischen Wissen der Trainerausbildung. 

Alexander Wolf ist dort angekommen, wo er nach dem Karriereende 2013 wieder hinwollte. Ab 2014 trainierte er junge Athleten in Thüringen, zwei Jahre später folgte eine Anstellung am Sportgymnasium Oberhof, wo der eine schlagkräftige Nachwuchsgruppe, das Wolfpack, aufbaute. Im Mai 2020 entschied er sich für den Schritt ins Ausland, auch weil sich seine Perspektiven im Deutschen Skiverband (DSV) auf den Nachwuchs beschränkten. Alexander Wolf aber wollte den nächsten Schritt auf der Karriereleiter gehen, „und nicht erst mit 60 Jahren im Weltcup aufschlagen, wenn die Athleten denken: Ja, ja, alter Mann, rede du nur.“

Susann Eberlein, Presseteam