Mit den Gedanken im Stadion

Mit den Gedanken im Stadion

Der Biathlon-Weltcup in Oberhof muss in diesem Jahr ohne Fans auskommen.

Wegen der Corona-Pandemie können sie die Wettkämpfe nur im heimischen Wohnzimmer verfolgen. Eine im Oberhofer Social-Media-Team entstandene Idee gibt ihnen aber die Möglichkeit, ein Signal in der Arena zu setzen.

Karl-Heinz Jung ist zum Fernsehgucken verdammt. Der 69-Jährige ist Vorsitzender des Fanclubs „Biathlonfans Schmalkalden“ – und normalerweise live dabei bei den Biathlon-Rennen am Grenzadler, wenige Kilometer vor seiner Haustür. In diesem Jahr ist das wegen der Corona-Pandemie nicht möglich: Bei den insgesamt zwölf Wettkämpfen sind keine Fans zugelassen.

Auch wenn Karl-Heinz Jung und die 21 Mitglieder des Fanclubs vor dem TV mitfiebern: Ein echter Ersatz ist das für die eingefleischten Fans nicht. „Live ist live. Dass man das Rennen im Fernsehen besser sieht, stimmt vielleicht. Aber man will ja auch Freunde treffen und die Stimmung erleben. Das geht nur vor Ort“, sagt der Mann, der die Entwicklung des Biathlon-Geschehens in Oberhof seit 1984 verfolgt. 1998 wurde der Sven-Fischer-Fanclub gegründet, der nach dessen Karriereende 2007 in „Biathlonfans Schmalkalden“ umbenannt wurde.

Ein großes Banner macht immer auf sie aufmerksam, nicht nur in Oberhof, sondern auch in Ruhpolding, Antholz oder am Holmenkollen in Oslo. In diesen Tagen vertritt es die Fans quasi symbolisch im Stadion, wie insgesamt 30 Plakate der Fanclubs. „Das ist ein starkes Signal und zeigt die Verbindung zwischen den Fans, den Fanclubs und dem Wettkampfort“, so Roland Reinhard. Seit acht Jahren ist er der Fanclub-Beauftragte und koordiniert die Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee. Die Fanclubs sorgen nicht nur für gute Stimmung, sondern halten auch die Ohren im Stadion und an der Strecke offen. Was kommt gut an bei den Fans? Was gilt es noch zu verbessern? „Damit tragen sie Ideen an den Veranstalter heran“, erklärt Roland Reinhard.

Vorfreude auf die WM
Die Berliner Biathlonfreunde, die in den Jahren zuvor mit gelb-blauer Einheitskleidung aufgefallen sind, oder die Potsdamer Teufel, deren Markenzeichen  rote Teufelsperücken sind, haben ihr Plakat wie so viele andere nach Oberhof geschickt. Andreas und Cornelia Länger, die Vorsitzenden des Denise-Herrmann-Fanclubs aus Barby bei Magdeburg, haben sich Anfang Dezember extra ins Auto gesetzt und 280 Kilometer zurückgelegt, um ihr Banner abzugeben. „Wir wollten den Sportlern zeigen, dass wir in Gedanken trotzdem dabei sind“, sagt der Chef des Fanclubs, der seit 2016 existiert und vor allem, aber nicht nur der Sächsin Herrmann die Daumen drückt. „Sie hatte in dieser Saison Hochs und Tiefs. Wir stehen hinter ihr, egal was kommt“, betont Andreas Länger.

Was Karl-Heinz Jung, Familie Länger und die anderen Fans beim Fernsehschauen tröstet: Die Vorfreude auf die Biathlon-WM in zwei Jahren. Spätestens bei den Titelwettkämpfen wollen wieder live dabei sein. „Da ist der Spuk hoffentlich wieder vorbei“, sagt Karl-Heinz Jung.

Susann Eberlein, Presseteam