Schmalkaldens Bürgermeister nach Gespräch mit DOSB: „Für eine Olympia-Bewerbung gibt es sehr hohe Hürden“

Schmalkaldens Bürgermeister nach Gespräch mit DOSB: „Für eine Olympia-Bewerbung gibt es sehr hohe Hürden“

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Oberhof - Am Rande des BMW IBU Biathlon Weltcups wird auch gerne genetzwerkt. Hochrangige Politiker treffen sich, Unternehmer machen hier wichtige Geschäfte und heute ging es sogar um eine Olympia-Initiative, die hohe Wellen schlug. Beim Weltcup trafen sich Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski und die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Uschi Schmitz, um über das heiß diskutierte Ideenpapier zu den Olympischen Winterspielen 2030 in Thüringen, Sachsen und Bayern zu sprechen.

Herr Kaminski, Sie haben den DOSB heute am Rande des BMW IBU Biathlon Weltcups zu einem Treffen eingeladen. Der Verband ist der Einladung mit Vizepräsidentin Uschi Schmitz nachgekommen, wie verlief das Treffen?

Ich habe mich zunächst einmal sehr darüber gefreut, dass der DOSB der Einladung gefolgt ist und man miteinander redet und nicht medial übereinander. Das Gespräch selbst war wirklich angenehm. Wir haben uns auch sehr gut – auf Augenhöhe – ausgetauscht.

Gibt es neue Hoffnung für Olympia auch in Thüringen?

Das kann man so nicht sagen und das war auch nicht das Ziel des Gesprächs. Es war auch nicht damit zu rechnen, dass jetzt jemand sagt, ich habe mir es anders überlegt. Mir ist auch noch einmal mitgeteilt worden, dass die Spielregeln für eine solche Bewerbung ganz andere sind, als bei der losgetretenen Initiative. Die Aktion war aber zumindest für eine Sache gut – das sage ich als Bürgermeister der Stadt Schmalkalden – wir haben auf diese Weise ein Stimmungsbild erhalten, wie die Bevölkerung zu einer eventuellen Olympia-Bewerbung stehen würde. Eine Bewerbung selbst muss natürlich ganz anders vorbereitet sein und vor allem muss diese so vorbereitet sein, dass sie nicht nur national, sondern auch international erfolgreich sein kann – und das ist die große Hürde. Ob das gelingen kann, ist vollkommen offen.  

In der Zwischenzeit war es ja zu einer juristischen Auseinandersetzung gekommen, konnten Sie hier schlichten? 

Die juristischen Themen sind weitestgehend beigelegt. Es ging mir vor allem um die emotionale Schlichtung.

Mit ihrem Ideenpapier für Olympische Winterspiele 2030 in Thüringen, Sachsen und Bayern haben Mike Helios, Sprecher der VR-Bank Bad Salzungen/Schmalkalden und Ihr Schmalkalder Stadtschreiber Hannes Hofmann die Sportwelt in Aufruhr versetzt, welche Resonanz nehmen Sie als Bürgermeister der Keimzelle dieser Vision wahr?

Ich habe grundsätzlich zwei Meinungen wahrgenommen: Auf der einen Seite die Leute, die gesagt haben: „Tolle Idee. Wir brauchen auch mal wieder eine große Idee für Mitteldeutschland und Deutschland insgesamt, die zusammenschweißt und identitätsstiftend wirkt!“ Das ist die eine Richtung. Und die anderen sagten: „Total spinnert, weil viel zu groß!“ In den medialen Umfragen überwogen nach meiner Wahrnehmung aber diejenigen, die gesagt haben: „Lasst uns die Idee doch mal weiterverfolgen…“. Auch weil die Sportstätten, je nachdem wie weit man den Radius zieht, schon vorhanden sind.

Die Stadt Schmalkalden wurde in Zusammenhang mit der Olympia-Debatte häufig erwähnt. Hat der Vorstoß den Bekanntheitsgrad der charmanten Fachwerkstadt erhöht?

Ob er den Bekanntheitsgrad erhöht hat, weiß ich nicht. Aber in einigen Medien stand ja, dass es sich um eine Olympiabewerbung aus Schmalkalden gehandelt habe, was ja nie Thema war. Im Zentrum stand ja aus Thüringer Sicht immer Oberhof. Wenn die Initiative den Bekanntheitsgrad von Schmalkalden erhöht hat, würde mich das freuen. Insbesondere, wenn die Leute sagen „Wir gucken uns das verrückte Städtchen mal an!“, hätte ich nichts dagegen. 

Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst haben wir das erreicht, was wir erreichen wollten: Wir konnten die Gemüter abkühlen. Das ist wichtig, weil man sich ja immer zweimal im Leben sieht. Und möglichweise passiert uns das hier auch. Wenn man die Idee eines sportlichen Events über die Biathlon- und Rodel-WM hinaus weiterverfolgen möchte, braucht man Partner. Und da ist es nicht gut, wenn emotionale Probleme bestehen. Ob es die Weiterverfolgung der Olympia-Idee ist, lasse ich heute offen. Wenn dies das Ziel ist, muss man viele Details im Vorfeld abarbeiten, weil es sehr hohe Hürden für eine Olympia-Bewerbung gibt. Und wir müssten vorher mit möglichen Partnern sprechen. Das Buch ist nicht ganz zu, aber der emotionale Deckel ist drauf. 

Interview:

Christopher Eichler
Medienteam

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