Ein freier Kopf und ein Comeback auf dem Podium

Ein freier Kopf und ein Comeback auf dem Podium

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Die Norweger sind im Biathlon derzeit das Maß aller Dinge: Tarjei Boe hat den Massenstart beim Biathlon-Weltcup in Oberhof gewonnen.

Felix Leitner aus Österreich freut sich über den ersten Podestplatz seiner Karriere und Benjamin Weger feiert nach neun langen Jahren sein Comeback unter den Top 3.Tarjei Boe hat den Kopf ausgeschaltet. „Biathlon ist hart genug, man muss es nicht noch härter machen im Kopf“, sagte der Norweger, der den Massenstart über 15 Kilometer für sich entscheiden konnte. Trotz einer verpassten Scheibe im letzten Stehendanschlag ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und nutzte seine „Chance, um den Sieg mitzukämpfen. Ich konnte am Anstieg attackieren. Das ist meine Stärke.“ Damit hat der 32-Jährige schnell aus der Verfolgung in der ersten Weltcup-Woche gelernt, bei der er den Sieg mit drei Fehlern im letzten Anschlag aus der Hand gab und Dritter wurde. Nur 3,6 Sekunden hinter Tarjei Boe kam Felix Leitner ins Ziel. Erstmals in seiner Karriere schaffte der Österreicher in einem Einzelrennen den Sprung auf das Podest. „Ich wusste, dass ich fehlerfrei schießen und schnell laufen kann. Heute habe ich es gut kombiniert und bin überglücklich darüber“, sagte der 24-jährige Tiroler. Das gute Mannschaftsergebnis – Simon Eder beendete das Rennen als 5. – gebe dem Team viel Selbstvertrauen: „Wir wissen jetzt, dass wir es schaffen können.“ Mindestens genauso glücklich wie Boe und Leitner war Benjamin Weger. Nach neun langen Jahren feierte der Schweizer sein Comeback auf dem Podest – und erreichte sein Saisonziel. „Ich habe so lange daran gearbeitet und möchte gerade nicht an die nächste Woche in Antholz oder die WM denken, sondern den Moment genießen“, sagte der 31-Jährige. Seit Frühjahr 2020 wird Weger vom Thüringer Alexander Wolf trainiert und fand unter ihm wieder zur alten Stärke zurück. „Als ich 2009 in den Weltcup kam und gute Ergebnisse hatte, glaubte ich, dass es immer so weitergeht. Und dann bin ich in ein Loch gefallen. Ich wurde langsamer und ich habe erkannt, wie schwer der Sport ist. Ich musste hart an mir, am Laufen und an meiner mentalen Stärke arbeiten“, erklärte er.

Lesser bester DSV-Athlet 
Als Achter war Lokalmatador Erik Lesser bester Deutscher. Mit drei fehlerfreien Einlagen am Schießstand lag er äußerst aussichtsreich im Rennen um eine Platzierung in den Top 3, verfehlte im letzten Stehendanschlag jedoch eine Scheibe. „Ich hätte heute auch mit null Fehlern nicht ums Podium kämpfen können. Ich habe mich läuferisch sehr müde gefühlt und am Birx um mein Leben gekämpft“, sagte der Lokalmatador. Anders als im Sprint am Mittwoch kam er diesmal vor seinem Kumpel Arnd Peiffer ins Ziel. „Das hat für Genugtuung gesorgt“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Mit insgesamt drei Schießfehlern und einem Rückstand von 37,3 Sekunden hinter Tarjei Boe beendete Arnd Peiffer das Rennen auf dem elften Rang. „Ich war das ganze Rennen unter Zugzwang, weil ich drei Mal einen Fehler hatte und immer kämpfen musste, um an die vordere Gruppe zu kommen. Das war echt hart“, sagte er. Benedikt Doll leistete sich vier Fehler, die er mit einer Verlagerung am Schießstand erklärte. „Es wäre heute richtig viel drin gewesen, weil ich mich auf der Strecke echt gut gefühlt habe. Mein geheimes Ziel, die Top 6, hat nicht geklappt, aber ich bleibe dran“, sagte Schwarzwälder, der am Ende auf Platz 17 ins Ziel kam.

Gut gerüstet für die WM
Mit Blick auf die Biathlon-Weltmeisterschaft im Februar 2023 sehen die DSV-Athleten den Veranstalter auf dem richtigen Weg. „Vielleicht kann man die Zielschleife der 2,5-Kilometer-Runde noch ein bisschen anders legen, so dass ein bisschen mehr Action geboten werden kann für die Athleten selbst, aber alles in allem sind die Strecken schon WM-würdig“, merkte Erik Lesser an. Während Benedikt Doll die Präparation der Strecke in Weltcup-Woche eins noch kritisiert hatte, war er in diesen Tagen voll des Lobes. „Beste Winteratmosphäre und Neuschnee: Wenn es bei der WM so wird, können wir uns auf ein paar schöne Wochen freuen“, sagte er.

Deutliche Worte fand Erik Lesser indes für die zahlreichen Hass-Nachrichten, die seinem Teamkameraden Philipp Horn seit der Staffel am Freitag entgegen schlagen. Der Oberhofer war Schlussläufer des DSV-Quartetts und vergab mit drei Strafrunden in Liegendschießen alle Siegchancen, was die Kritiker auf Facebook, Instagram und Co. Auf den Plan rief. „Was ich in den sozialen Netzwerken über Philipp Horn lesen musste, ist absolut fehl am Platze. Das können sich die Bundestrainer daheim auf der Couch echt sparen“, sagte er. Er erinnerte an starke Staffelauftritte Horns, etwa bei der WM in Antholz. „Und er wird trotzdem wieder von uns auf die vier gesetzt werden. Weil er einfach ein geiler Typ ist“, betonte er.

Susann Eberlein, Pressesprecher

 

 

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