„Flocke“ drückt allen Athleten die Daumen

„Flocke“ drückt allen Athleten die Daumen

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Tausende Fans fehlen in diesem Jahr beim BMW IBU Biathlon-Weltcup in Oberhof. Kathrin Röser darf trotzdem dabei sein. Die gebürtige Thüringerin ist das Maskottchen „Flocke“.

Als Arnd Peiffer und Erik Lesser im Sprint überzeugten, positionierten sie sich für ein gemeinsames Foto mit „Flocke“. Auch Franziska Preuß sicherte sich den Schnappschuss. „Das ist eine große Ehre für mich“, sagt Kathrin Röser. Ausreichend Abstand ist dank ihres Riesenkopfs garantiert. Die 49-Jährige steckt in dem Kostüm des Maskottchens „Flocke“ – und hat die Sportler in diesem Jahr fast ganz für sich allein. Aufgrund der Corona-Pandemie sind keine Zuschauer im Stadion oder auf der Strecke erlaubt.
Kathrin Röser streift die Schneemann-Kleidung beim Weltcup 2021 schon zum vierten Mal über. „Ich bin in der Nähe von Großbreitenbach aufgewachsen und stamme auf der Biathlon-Generation von Peter Sendel. Ich wollte meiner Heimat etwas zurückgeben und ein Ehrenamt ausüben“, sagt sie über ihr Engagement beim Biathlon-Weltcup. Sie stammt aus Altenfeld im Ilm-Keis, ist nach der politischen Wende nach Neustadt bei Coburg in Oberfranken gezogen, ohne jedoch den Kontakt in die Heimat zu verlieren.
Als Mitglied im Team Rahmenprogramm ist sie in diesem Jahr an gleich acht Renntagen im Einsatz. Die Erzieherin hat extra Urlaub genommen, Erholung ist die Arbeit im rund sechs Kilo schweren Kostüm jedoch nicht. „Wenn ich am Abend nach Hause komme, weiß ich, was ich gemacht habe. Ich bin dann richtig kaputt“, sagt sie.
Nicht nur für die Sportler ist der Weltcup in diesem Corona-Jahr ein besonderer. Auch die Arbeit von Kathrin Röser hat sich geändert. „Normalerweise habe ich ein straffes Programm, das ich abarbeiten muss. Ich bin bei der Eröffnungsfeier und den Siegerehrungen dabei. Und an den Renntagen lege ich eine richtige Wanderung hin, vom Hüttendorf übers Stadion bis zu den Hardcore-Fans am Birx“, erklärt sie. Sie schruppt dabei etliche Kilometer, obwohl das Laufen in dem Kostüm ganz und gar nicht leicht fällt. Genauso wie die Tänzchen, zu denen sie die Fans auffordert. „Sie fehlen mir total“, sagt Kathrin Röser. „Flocke“ ist in diesem Jahr vor allem im Warm-Up eingesetzt, das 45 Minuten vor Rennbeginn via Facebook in die Wohnzimmer der Biathlonvernarrten gesendet wird.

Ein deutlicher Pluspunkt in diesem Jahr: Das Wetter. Es ist zwar kalt, aber trocken. „Es gab schon Jahre, in denen mein Kostüm durchtränkt war vom Regen und gar nicht getrocknet ist über Nacht. Es ist aus Schaumgummi und hat sich vollgesogen wie ein Schwamm“, erinnert sie sich. Solch ein Wetter geht nicht nur aufs Gemüt, sondern auch an die Substanz.
In den vergangenen Jahren hat sich Kathrin Röser intensiv auf ihren Einsatz vorbereitet und ist fleißig ins Fitnessstudio gegangen, um Kondition und Kraft zu trainieren. „Wenn du auf der Bühne stehst und der Wind bläst, braucht man Körperspannung, um dagegen halten zu können“, sagt sie. Seit März 2020 ist diese Vorbereitung erschwert, schließlich sind mit der Corona-Pandemie die Fitnessstudios geschlossen worden.  „Das ist nicht so optimal“, sagt sie. Bis zur WM will sie aber trotzdem durchhalten, „wenn es die Gesundheit mitmacht.“

Kathrin Röser verfolgt Biathlon seit Jahrzehnten. Ihr Liebling: Der Wahl-Belgier Michael Rösch, der seine Karriere mittlerweile beendet hat und als Experte für den Sender Sky Sport News arbeitet. „Der ist der absolute Knaller“, meint Kathrin Rösner. Im Privatleben drücke sie den deutschen Athleten die Daumen, „und als Flocke freue ich mich für alle.“

Susann Eberlein, Presseteam

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