„Kühlen Kopf bewahren“: Lucas Fratzscher gibt Weltcup-Debüt

„Kühlen Kopf bewahren“: Lucas Fratzscher gibt Weltcup-Debüt

Im Sprint von Oberhof steht Lucas Fratzscher erstmals bei einem Weltcup an der Startlinie. Vorab sprach der 24-Jährige über seine Gedanken zum Debüt, seine Saisonvorbereitung und seine Urlaube auf Mallorca, am Gardasee und in Portugal.

Lucas, Anfang der Woche hast du erfahren, dass du beim Weltcup in Oberhof an den Start gehst. Wie hast du die Nachricht aufgenommen?
Ich wusste, dass ich erster Ersatzmann bin und dass es eine Restchance für einen Einsatz gibt. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet. Die Info kam also sehr überraschend, umso freudiger habe ich sie aufgenommen. 

Was wird dir an der Startlinie durch den Kopf gehen?
Das ist schwer zu sagen. Es wird eine große Freude sein, weil ich in meinem Heimatstadion laufen kann. Das ist schon etwas Besonderes. Andererseits: Ganz befreit gehe ich nicht an den Start. Aber ich will ich mich auf meinen Wettkampf konzentrieren.

Wie schaffst du das? Mit Ohrstöpseln vielleicht, wie Erik Lesser?
Ich habe es mal ausprobiert, aber das ist nicht mein Ding. Bei der Deutschen Meisterschaft hört man die Fans ja auch schon, und damit hatte ich kein Problem. Was jetzt am Wochenende kommen wird, bin ich aber nicht gewohnt. Ich hoffe, dass ich mich nicht beeinflussen lasse und einen kühlen Kopf bewahre. 

Hast du dir darüber hinaus eine bestimmte Platzierung vorgenommen?
Eigentlich nicht. Mir geht es darum, dass ich zeigen kann, was ich drauf habe. Aber den Verfolger am Samstag habe ich auf jeden Fall im Visier.  

Dein Weltcup-Debüt ist der nächste logische und wichtige Schritt in deiner Karriere.
Definitiv. Ich war super zufrieden mit meinen Ergebnissen im IBU-Cup und es war das Ziel, dass ich es nach oben schaffe. Dass ich jetzt im Weltcup starten kann, ist das i-Tüpfelchen. 

Wie begründest du die Leistungssteigerung?
Ich habe im Sommer bestimmte Einheiten ausgelassen oder am Wochenende zusätzliche Einheiten gemacht, also den Rhythmus der Belastung und Entlastung etwas verändert. Und dann kommt das Alter dazu. Mit 24 Jahren ist man für Biathlon in einem besseren Alter als mit 23. 

Du gibst viel für den Sport, sagst gleichzeitig aber, dass du nicht im Tunnel leben möchtest.
Das stimmt. Das Training muss in einer hohen Qualität sein. Aber wenn es vorbei ist, finde ich es wichtig, einen Haken dran zu machen und sich mit der Freizeit zu beschäftigen. Denn wenn man sich 24 Stunden nur mit dem Sport beschäftigt, wird man irgendwann verrückt. 

Und wie sieht deine Freizeit aus?
Der vergangene Sommer war ja eher trocken und sonnenreich. Da konnte man viel unternehmen. Meine Freizeitgestaltung war auch sportlich geprägt, aber alles andere als Biathlon. Im Frühjahr war ich Klettern auf Mallorca, im Sommer habe ich mit dem Rennrad die Alpen überquert und nach der Deutschen Meisterschaft war ich zum Surfen in Portugal. Da habe ich den ganzen Tag nicht an Biathlon gedacht. Das war Urlaub für Kopf und Körper. 

Und jetzt stehst du im Weltcup mit den besten Athleten der Welt. Hast du Vorbilder?
Ich bin Fan von den deutschen Athleten. Ich bin seit dem Abitur 2014 am Stützpunkt in Oberhof und trainiere schon lange mit ihnen. Darüber bin ich heilfroh, denn ich kann mir vieles abschauen. Und ich finde, man muss jemanden haben, der Spitzenleistung bringt, um zu sehen, wo man selbst noch hin muss. Und dann gibt es noch Athleten, die Biathlon meiner Meinung nach in Perfektion betreiben. Dazu gehört Martin Fourcade. Da möchte ich selbst hinkommen.

Interview: Susann Eberlein

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