Michael Rösch: "Letzten Schmalz aus den Ohren gepfiffen"

Michael Rösch: "Letzten Schmalz aus den Ohren gepfiffen"

Vollbart, auffällige Tätowierungen, markige Sprüche: Im Biathlon-Zirkus sticht Michael Rösch als Typ heraus. Der Altenberger, der seit 2014 für Belgien startet, will aber auch mit Leistungen überzeugen – und in Oberhof an seine Spitzenplätze vor Weihnachten anknüpfen.

Oberhof. „Das war weder Fisch noch Fleisch“, sagt Michael Rösch, der im Oberhofer Sprintrennen nicht über einen 36. Platz hinaus kam. Wie Erik Lesser verfehlte er am Schießstand zwei Scheiben, doch sein früherer Teamkollege knüpfte ihm auf der Strecke über eine Minute ab. „Läuferisch hatte ich nicht meinen besten Tag. Ich bin das Rennen aber auch ein bisschen zu schnell angegangen“, gibt der 33-Jährige zu.

Trotzdem: Rösch wirkt zufrieden, fast tiefenentspannt. Weil er den Sport ausüben kann, den er über alles liebt und den aufzugeben er nicht bereit war – trotz ehemaligen Schwierigkeiten mit dem DSV und seinem langwierigen Nationenwechsel. „Die Stimmung war mega, der Birx-Steig war wieder proppenvoll. Dafür trainierst du dir den Arsch ab“, sagt Rösch, der aus Altenberg stammt, aber für Belgien startet. „Da hat es mir den letzten Schmalz aus den Ohren gepfiffen“, schreibt er auf seiner Facebook-Fanseite. Ein typischer Spruch von dem Mann, der im Biathlon-Zirkus nur „Ebs“ genannt wird.

Der Weg des Athleten Michael Rösch verläuft alles andere als gerade: Nach der Trennung vom Deutschen Skiverband sollte ihm die belgische Staatsbürgerschaft ein schnelles Comeback im Weltcup sichern, und damit nicht nur Wettkampfroutine, sondern auch Preis- und Sponsorengelder. Doch das Prozedere zieht sich länger als gedacht. Als Einzelkämpfer kehrt er schließlich erst in der Saison 2014/15 zurück, wird durch eine Schienbeinverletzung und einem Riss der Achillesferse aber immer wieder zurückgeworfen. Aufgeben war dennoch keine Option.

Dann der Befreiungsschlag vor Weihnachten: In der Verfolgung in Pokljuka (Slowenien) sowie im tschechischen Nove Mesto schafft er den Sprung zurück in die Weltspitze. „Es ist ein popliger sechster Platz, aber für mich bedeutet er die Welt“, sagte er nach seinem ersten Sprung in die Top 6 in einem tränenreichen TV-Interview. Ein kleiner Coup für einen Athleten, der seine Ausbootung finanziell teuer bezahlt musste und seinen Beamtenstatus verlor.

Dass sich der Schritt in die Unsicherheit gelohnt haben kann, bestätigen die Top-Resultate in dieser Saison. „Das gibt mir Auftrieb und zeigt, dass ich in der Vorbereitung viel richtig gemacht habe“, so Rösch. Im vergangenen Sommer schloss sich der Altenberger der Schweizer Biathlon-Mannschaft an, wird seitdem von seinem ehemaligen Teamkollegen, dem Oberhofer Jörn Wollschläger, trainiert und kann die Physiotherapeuten und Skitester des Teams nutzen. „Alleine hätte ich keine Chance. Sie haben einen sehr großen Anteil am Erfolg“, sagt Michael Rösch. Ginge es nach ihm, bestünde die Sport-Ehe auch über die Saison hinaus. „Im Weltcup bin ich gerade der beste Schweizer“, sagt der 33-Jährige und lacht. Einen weiteren Nationenwechsel schließt er aber aus.

Mit den guten Platzierungen vor Weihnachten – und der positiven Resonanz der Fans, die ihn auch in Oberhof lautstark unterstützen – sei die Erwartung deutlich gestiegen. „Nur von außen“, betont Rösch. „Meine eigenen Ziele sind klar formuliert. Ein Platz unter den Top 30, da kann und will ich in jedem Rennen hinlaufen“, so der 33-Jährige, dessen großes Ziel die Olympischen Spiele 2018 sind. In der heutigen Verfolgung könnte es noch weiter nach vorne gehen, Rösch schielt auf einen Platz unter den besten Zehn. „In einer Verfolgung kann viel passieren, gerade wenn ein wenig Wind dazu kommt“, sagt er.